Die Historie des Kicker(s)-Managerspiels

Es war 1992 als wir im Freundeskreis das erste Mal das Kicker-Managerspiel für uns entdeckten. Es war mit dem heutigen Spiel, sei es in der Classic-,Interactive- oder Pro-Variante, nicht zu vergleichen. Klar, man hatte auch schon damals sein Budget, mit dem man sich die Spieler zusammen kaufen konnte. Allerdings gab es die vorgegebene Preisliste vom Kicker nicht.

Man traf sich stattdessen zumeist zu 5 oder 6 Leuten und kaufte die Spieler in einer Art Auktion. Das sah dann bei uns so aus, dass wir uns im Partykeller oder Garten trafen, später irgendwann nicht nur bei Bier, sondern auch mit Grillen und bis tief in die Nacht und sogar Übernachten.

Waren wir in der ersten Saison noch zu dritt, steigerten wir dies schnell zu 5 bzw. 6 und für kurze Zeit sogar zu 8 Leuten. Natürlich bedeutete dies ein enges Hauen und Stechen auf dem Transfermarkt. Jeder kam mit seinem Kicker-Sonderheft, kurzer Smalltalk und schon ging’s los.
Mit der Zeit erweiterten wir nicht nur die Spielerzahl, sondern auch die Regeln. Zusätzlich zu Toren, Assists, Noten etc. wurde bei uns auch noch getippt.

satzungDie Punkteregeln waren waren komplexer als beim heutigen Kickerspiel. Man konnte in der Abwehr auch Mittelfeldspieler und Stürmer einsetzen. Jede Kategorie wurde für sich selbst ausgewertet, also Noten, Gegentore, Assist, Tore, Elf des Tages Berufungen und Tipps. Der Gewinner einer Katgeorie bekam 5 Punkte, der Zweite 4 usw. Somit ergab sich die Gesamtpunktzahl. Man konnte also auch ohne Tore mit super Noten und keinen Gegentoren trotzdem Spieltage gewinnen. Es zählte also weit mehr als bei den heutigen Spielen die Taktik, mit der man seine Mannschaft aufstellte. Beim Einkaufen fingen wir früh mit Optionen an. Kaufte man einen Spieler recht günstig, konnte man nächstes Jahr eine Option auf ihn ziehen, denn man hatte ein Talent entdeckt und das sollte belohnt werden 🙂

Natürlich wurden die Regeln von Jahr zu Jahr optmiert. Das Optionen-Modell wurde quasi Saison für Saison verfeinert und je nach Mitspielerzahl musste man die Einsätze oder Punkte neu festlegen. Apropos Einsätze. Je nach Tabellenplatz musste man mehr oder weniger in die Kasse abdrücken. Das Geld war zum Saisonende in der Abschlußtour auch gut angelegt…

Waren die ersten Auswertungen noch auf kleinen Notizzetteln. So ging es über große Zettel zu ausgedruckten Formularen bis zu Excel inklusive Makros mit über 10.000 Zeilen Code. So lernte ich zumindest das Programmieren 😉

aufstellung_1saison aufstellung_6saison

Die Aufstellung wurde dem Spielleiter zu Beginn zumeist Freitags per Telefon übermittelt. Das hatte den Charme, dass man mindestens einmal die Woche mit allen Kumpels Kontakt hatte und neben der Aufstellung quatschen konnte über dies uns jenes. Später löste die Mail das Telefon ab.
Die Auswertung gab’s zuerst händisch berechnet, später blieb lediglich die Handarbeit beim Abtippen der Noten etc. aus dem Kicker, den Rest machten die Makros.
Saison um Saison zog dahin. Das Highlight blieben die Auktionen zu Beginn der Saison. Rekordmeister war merkwürdigerweise der Spielleiter…aber an und an gewann auch jemand anders und erfreute sich an einer netten Urkunde 🙂

urkundeDoch nicht nur für die Sieger gab es Urkunden. Jeder Mitspieler bekam eine. Zu Beginn einer Saison erhielt man vor Auktionsbeginn die Auszeichnungen feierlich überreicht bei Prost und Kölsch. Zusätzlich wurden die Bundesligaspieler, die ihre Karriere beendeten, auch noch urkundlich und feucht fröhlich verabschiedet.

urkunde_matthäusDarüber hinaus gab es natürlich auch Statistiken, die man heute beim Kicker schmerzlich vermisst. Eine Auswahl:

best_of_1-9 kader_saison13tabellen_1-8Vor der Saison spendete sogar Paulo Blind eine kleine Prognose zur Saison und bewertete die Kader. Wie das Beispiel für die 10.Saison mit der Rekordzahl von 8 Mitspielern zeigte, lag er damit gar nicht so schlecht.

saisonprognose_10Irgendwann änderte der Kicker das Spiel. Es kam die große Preisliste für Spieler, die wir ignorierten. Wir hatten ja unsere Auktion. Und dann kam irgendwann das Internet und mit ihm das Spiel online. Zuerst in der Classic-Variante, in der man 15 Spieler mittels seines Budgets kaufen konnte und Auswechselspieler nur bei Ausfällen der ersten 11 eingewechselt wurden. Also sehr statisch. Es folgte die Interactive-Variante, bei der man mehr Budget für mehr Spieler zur Verfügung hat und vor jedem Spieltag die Aufstellung ändern kann. Aber jeder Mitspieler kann jeden Bundesligaspieler kaufen. Zu der Zeit war dieses Spiel weit weg vom Auktionsgedanken, der das Spiel früher so sehr prägte.

In dieser Zeit schlief auch unser Spiel ein. Nach insgesamt 13 Saisons war am 21.05.2005 Schluß, es war der letzte Spieltag des legendären Kicker-Managerspiels. Die letzte Saison stand unter keinem guten Stern. Am Ende war ein wenig die Luft raus, die Nicht-Abgabe von Aufstellungen, die verspätete Abgabe, die Abgabe in allen Variationen außer in vereinbarten Excel-Format, das Aufstellen von gesperrten oder verletzen Spielern. Alle waren nicht mehr so bei der Sache, so dass die Motivation sich voll reinzuhängen,
auch beim Spielleiter nachließ und zudem durch den Zeitfaktor das Spiel bei allen
eher zur Last als zur Lust wurde. Die Auswertung der Spieltage 21. – 34. kam somit auch erst 2 Monate nach Saisonende. Diese letzte Meisterschaft lies sich der Rekordmeister nicht nehmen, wie der Blick auf den letzten Spieltag zeigt:

Letzter_Spieltag_Saison_13Was folgte waren keine gemeinsamen Auktionstermine mehr vor der Saison, keine Listen, keine Urkunden, keine Touren…

Wir machten weiter beim Kicker-Interaktiv-Spiel. Na klar, für den Spielleiter war das automatische Spiel des Kicker nach Jahren der Tipperei eine willkommene Abwechslung.

Sport1 und all die anderen Konsorten zogen nach. Bei Communio konnte man sich zu Ligen zusammen schließen und über Bieten seine Spieler zusammen kaufen – online, aber nicht alle zeitgleich an einem Tag oder in einer Nacht.

Der Kicker brachte mit der Zeit die Pro-Variante heraus. Diese kam dem Ursprungsgedanken schon deutlich näher. Man gründet eine Liga mit bis zu 18 Mitspielern und bietet ab einem selbst festgelegten Zeitpunkt in bestimmten Kaufphasen auf Spieler und einer bekommt am Ende einer Kaufphase den Zuschlag. Nachbieten ist nicht. War dies in der ersten Saison noch einigermaßen spannend und witzig, verlor es dadurch den Reiz, dass durch Urlaubszeiten oder sonstige zeitlichen Zwänge viele die ersten Kaufphasen verpassten und es zu einem deutlichen Ungleichgewicht in der Liga kam. Auf der einen Seite die Rumpfkader der Wenig-Zeiter, auf der anderen Seite Borussia München und der FC Bayern Dortmund.

Somit bleibt heute lediglich das seichte Interaktiv-Spiel, was noch einigermaßen Spieler bei uns anzieht. Bleibt doch der Aufwand gering. Aber Irgendwie hat man die Komplexität des einstigen Spiels inklusive zeitlich aufwändiger Auswertung gegen die Komfortzone eingetauscht. Und man tauschte gesellschaftliches Miteinander zu Beginn der Saison und regen Austausch während dieser gegen online organisiertes Anschweigen…

kicker_2013

Zurück bleibt die Mappe mit all den Erinnerungen an ein schönes Spiel und einen der besten Managern aller Zeiten. Ob es dessen Rückkehr mit online unterstützter Auswertung geben wird? Vielleicht erhört der Kicker uns ja und passt seine Pro-Variante irgendwann an.

mappe_kickerZum Abschluss noch die Worte des einstigen Spielleiters zum Ende der 13.Saison des klassischen Kicker-Managerspiels in der Abschlussmail vom 23.Juli 2005:

Aber laßt uns mal das Spiel positiv in Erinnerung behalten und wer weiß,
vielleicht haben wir irgendwann wieder soviel Bock drauf, dass sich ein jeder von
uns, unabhängig von privaten und beruflichen Pfichten, voll reinhängt und
wir wieder mal ’ne Saison durchziehen und die Auswertungen sich vielleicht auch
auf mehrere Schultern verteilen.

Hoffen wir, dass diese 13.Saison nicht für immer die letzte war und die 13 eine
Glückszahl ist….

 

P.S. Unser Managerspiel auf kicker.de gibt es als Interaktive-Variante immer noch. Ihr findet es dort passenderweise unter dem Namen „Schlebuscher Kickers“

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